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Im Gespräch mit Charlie Mace
«Meine Kolleginnen mussten ­immer Schüelerlis mit mir spielen»

Lehrerin, Präsidentin, Lagerleiterin, Bogenschützin: Charlie Mace übernahm diesen August ihre erste eigene Klasse. Verantwortung trägt sie schon jetzt, die man mit 22 Jahren nicht alle Tage hat.


«Meine Kolleginnen mussten ­immer Schüelerlis mit mir spielen»
Charlie Mace Klassenlehrerin einer 5. Klasse in Neuheim und Präsidentin der Bezirkskirchenpflege Cham

«Als ich endlich Deutsch konnte, war ich auf dem Pausenplatz trotzdem aufgeschmissen», erinnert sich Charlie Mace an ihre ersten Jahre in der Schweiz. Als Neunjährige zog sie mit ihren Eltern von Lincolnshire, England, nach Cham, wo sie zuerst ein halbes Jahr eine DaZ-Klasse besuchte. Obwohl die gebürtige Engländerin schnell Deutsch lernte, war Schweizerdeutsch nochmals eine eigene Herausforderung. Zum Glück fand sie schnell Freundinnen, die ihr das Einleben erleichterten: «Wir schlugen uns irgendwie durch, wenn nötig, mit Händen und Füssen.»

Wie im Traum
Inzwischen hat die 22-Jährige die eigene Schulzeit hinter sich und ihr Kindheitstraum ist in Erfüllung gegangen. Seit rund einem Monat steht sie zum ersten Mal vor ihrer eigenen Klasse. «Ich wusste immer, dass ich Lehrerin werden wollte. Meine Kolleginnen mussten immer Schüelerlis mit mir spielen.» Natürlich spielte Charlie die Lehrperson. Heute unterrichtet sie in Neuheim die 5. und 6. Klasse mit dem Jahresmotto «Zäme wachse». «Das ist sowohl für die Schüler:innen als auch für mich eine wichtige Zeit. Gemeinsam werden wir viel lernen und vorankommen», erklärt sie diese Wahl.
In ihrer eigenen 5./6. Klasse fühlte sich Charlie oft unterschätzt. Sie hatte das Gefühl, nicht abgeholt zu werden, nicht gesehen zu werden. Diese Erfahrung prägt sie bis heute. «Ich möchte nicht, dass die Kinder bei mir die gleichen Erfahrungen machen.» Etwas nervös ist sie trotz der guten Vorbereitung. «Es wird schwierige Situationen geben. Und ich verstehe auch, wenn es für manche Eltern schwierig ist, mich ernst zu nehmen.» Charlie spricht vor allem ihr Alter an. Dabei reicht ihr Erfahrungsschatz weit über die absolvierte Ausbildung hinaus.

«Ich brauchte etwas Zeit, um in das Amt ­hineinzuwachsen.»

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Einsatz für die Gemeinschaft
Seit Jahren engagiert sich Charlie in der Reformierten Kirchgemeinde in Cham. Als Jugendliche leitete und organisierte sie das Jugendlager. «In dem Jahr, als ich die Hauptleitung innehatte, reisten wir nach Rom. Das war ein unglaubliches Erlebnis.» Über die Jahre wurde aus der Lagerleitung mehr. Charlie übernahm Aufgaben in der Bezirkskirchenpflege und wuchs Schritt für Schritt in die Verantwortung hinein. Als Edith Heeb nach vielen Jahren als Präsidentin zurücktrat, sprach sie Charlie an. Die beiden hatten eng zusammengearbeitet. Edith hatte sie begleitet, eingeführt, ermutigt. «Sie hat mir gezeigt, wie sie es macht und was dazugehört.»

Der nächste Schritt 
Im März wurde Charlie ins Amt gewählt. «Ich brauchte etwas Zeit, um in das Amt hineinzuwachsen. Aber ich werde sehr unterstützt. Das schätze ich enorm.» Nun leitet sie die Sitzungen der Bezirkskirchenpflege, arbeitet mit Pfarrpersonen und der Sozialdiakonie zusammen und vertritt den Bezirk gegenüber dem Kanton. Sie begrüsst Menschen im Gottesdienst, führt durch Bezirksversammlungen und hält den Kontakt zu den Teams. 
Für Charlie ist die Kirche längst mehr als ein Amt. Sie hat dort ihre Gemeinschaft gefunden: Menschen, die zusammenarbeiten, sich kennen und sich gegenseitig tragen. Vor drei Jahren liess sie sich taufen. «Eine Entscheidung, die ich bewusst für mich traf und die meinen Weg in der Kirche noch einmal vertiefte.» Ihre Eltern unterstützen sie auf diesem Weg: «Sie liessen es mir immer offen, ob ich mich einmal einer Religion anschliessen möchte oder nicht.» 

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Zielgenau 
Neben Schule und Kirche hatte Charlie lange einen sportlichen Ausgleich. Sie schoss regelmässig mit dem Bogen. «Ich mag die Ruhe und die Konzentration, die dieser Sport verlangt.» In den letzten Monaten blieb das liegen. Ausbildung, erster Job, neues Amt – der Bogen sammelt gerade Staub im Estrich. «Ich möchte das wieder aufnehmen. Es hat mir immer gutgetan.» 
Schon bald zieht Charlie in Hagendorn in ihre erste eigene Wohnung. Ein Schritt, der sie fordert, aber auch freut. Die junge Lehrerin hat viele Veränderungen hinter sich. Nun heisst es: ankommen und weiter wachsen. «Ich habe viel Verantwortung, aber ich bin nicht allein.»

Charlie Mace wünscht sich im nächsten Chomer Bär ein Gespräch mit Rahel Nilsson.